Medienkompetenz

Multiplikation im Kollegium

Inhaltsübersicht

Der nachfolgende Baustein enthält die Erfahrungen der Projektschulen zum Thema, wie es gelingen kann, das gesamte Kollegium zu befähigen, digitale Medien für das Lernen und Arbeiten an ihrer Schule gewinnbringend zu nutzen. Folgende Aspekte werden dargestellt:

  • Mitnahme des gesamten Kollegiums
  • Entwicklung einer systematischen Fortbildungskonzeption für den Erwerb von Medienkompetenz
  • Nachhaltigkeit des Kompetenzerwerbs

Weiterführende Dokumente, Praxisbeispiele und Einschätzungen der Erfahrungen werden auf der Linkebene zur Verfügung gestellt. Auf dieser Ebene finden sich auch schulartspezifische Differenzierungen.

Im Schulversuch lag der Schwerpunkt auf schulinternen Lehrerfortbildungen. Informationen zur  flächenwirksamen Fortbildungsoffensive der Bayerischen Staatsregierung finden sich im mebis Infoportal.

Heterogenität und Haltung im Kollegium

Entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Medienintegration in allen Fächern und Jahrgangsstufen ist, dass möglichst alle Lehrkräfte über eine gute lehrbezogene Medienkompetenz verfügen. Das Spektrum im Kollegium reicht aber häufig von digital sehr affinen Lehrkräften bis zu Personen, die wenig Erfahrung haben.

Die zweite Herausforderung neben der Heterogenität besteht darin, dass auch die Haltung gegenüber dem Einsatz digitaler Medien sehr unterschiedlich sein kann. Um die Veränderungs- und Innovationsbereitschaft im Kollegium anzuregen, ist es notwendig, Digitalisierung als Querschnittsaufgabe in den Schulentwicklungsprozess zu integrieren. Wie sich das Zusammenspiel von Personalentwicklung mit der Optimierung von Prozessen, der Gestaltung von Arbeitsplätzen und Führungshandeln gestaltet, wird separat behandelt.

Informationen zum Thema „Digitalisierung als Querschnittsaufgabe der Schulentwicklung“ sind in Vorbereitung.

„OMKL“ – Orientierungshilfe Medienkompetenz Lehrer

Als Reaktion auf die Heterogenität im Kollegium entwickelten die Projektschulen schulartspezifische Übersichten über die medienbezogenen Lehrkompetenzen. Diese „Orientierungshilfe Medienkompetenz Lehrkräfte (OMKL)“ bilden die Grundlage für eine systematische Planung der schulinternen Fortbildungen.
Sie orientieren sich daran, wie

  • Schülerinnen und Schüler auf der Grundlage des „Kompetenzrahmens für Medienbildung an bayerischen Schulen“ nachhaltig und systematisch zum Erwerb von Medienkompetenz angeleitet werden können,
  • der Fachunterricht durch den Einsatz digitaler Medien weiterentwickelt werden kann,
  • die jeweiligen Kommunikations- und Lernplattformen der Schulen genutzt werden können.

Die schulartspezifischen Prototypen erheben in keiner Weise den Anspruch, mit umfassenden, z. B. wissenschaftlichen Modellen zu medienpädagogischen Kompetenzen von Lehrenden vergleichbar zu sein. Sie reflektieren Erfahrungen aus der Praxis und dienen dazu,

  • Transparenz über Umfang und Inhalte der Kompetenzanforderungen herzustellen,
  • Lehrkräften eine Möglichkeit zu geben, ihren eigenen Fortbildungsbedarf einzuschätzen,
  • im kollegialen Austausch zu thematisieren, dass im Umgang mit digitalen Medien Pragmatismus wichtiger ist als Perfektionismus und man nicht in allen Bereichen gleich kompetent sein kann,
  • Fortbildungen systematisch zu planen, so dass Lehrkräfte schrittweise ihre Kompetenzen ausbauen können,
  • in einen Dialog mit Multiplikatoren an der eigenen Schule zu treten und herauszufinden, welche Expertise vorhanden ist bzw. welche Anknüpfungspunkte sich z. B. auf der Ebene der Fachbereiche ergeben.

Die Orientierungshilfe gliedert sich in zwei Kompetenzstufen (Grundkenntnisse/Erweiterte Kenntnisse) und ist mit einem Glossar verknüpft, um ggf. unbekannte Begriffe zu erklären

Prototypen
OMKL Grundschule
OMKL Gymnasium
OMKL Mittelschule
OMKL Realschule
OMKL Glossar

Ein Erfahrungsbericht, wie die Schule die „MLKs“ genutzt haben, findet sich hier.

Mit dem Thema der Systematisierung der lehrbezogenen Medienkompetenzen beschäftigt sich auch die Wissenschaft, wie z. B. die Forschungsgruppe „Lehrerbildung Digitaler Campus Bayern“, siehe dazu „Kernkompetenzen von Lehrkräften für das Unterrichten in einerdigitalisierten Welt“.

Von der „Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission“ ist der „Europäische Rahmen für die Digitale Kompetenz Lehrender (DigCompEdu)“ entwickelt worden.

Fortbildungen planen, durchführen und evaluieren

1. Fortbildungsbedarf ermitteln
Die „OMKL“ dient als Grundlage, um eine Fortbildungskonzeption für schulinterne Lehrerfortbildungen zu entwickeln. Schulleitung und Steuergruppe achten darauf, dass sie den Kolleginnen und Kollegen bedarfsgerechte Angebote machen und Redundanzen vermeiden. Dafür wird zuerst ermittelt, welcher Bedarf an Fortbildungen besteht. Die Projektschulen setzen dazu – auch in Abhängigkeit von der Schulart und der Größe der Schule – unterschiedliche Verfahren ein:

  • informeller Austausch im Kollegium
  • Kartenabfrage bei der Lehrerkonferenz
  • anonyme analoge Umfragen im Lehrerzimmer
  • anonyme digitale Umfragen

Ziel des Vorgehens ist es, eine ehrliche Einschätzung des Kollegiums zu erhalten, wie kompetent sie sich beim Einsatz digitaler Medien fühlen. Die Umfrage bietet auch Gelegenheit, Rückmeldung einzuholen, welche Themen aus Sicht des Kollegiums relevant sind.

Auf mebis findet sich ein Fragenkatalog zur Mediennutzung, mit dem sich ein Ist-Stand erfassen lässt.

2. Verbindlichkeit definieren
An die Ermittlung des Bedarfs schließt sich die Entscheidung an, vor dem Hintergrund der eigenen technischen Ausstattung und pädagogischer Zielsetzungen zu definieren,

  • welche Module für alle Lehrkräfte verpflichtend sind,
  • was als Zusatzangebot zu verstehen ist.

An den Projektschulen wird diese Entscheidung von der Steuergruppe getroffen und auf der Lehrerkonferenz vorgestellt. Bei den Zusatzmodulen wird vereinbart, dass innerhalb eines Schuljahres eine bestimmte Anzahl zu besuchen ist.

3. Fortbildungen organisieren (inhaltlich/zeitlich)
Referenten sind entweder schuleigene Experten oder externe Personen, z. B. aus dem Referentennetzwerk, das auf der Ebene der Schulaufsicht angesiedelt ist.

Im mebis-Infoportal finden sich weiterführende Hinweise zur „Beratung digitale Bildung in Bayern“.

4. Fortbildungen evaluieren
Nach Abschluss der Fortbildungsreihe bzw. nach der Erprobung im Unterricht geben Kolleginnen und Kollegen Feedback zur Nützlichkeit der Angebote und den Erfahrungen beim Transfer der neuen Inhalte in die Unterrichtspraxis. Die so erhobenen Daten werden für die weitere Optimierung der Fortbildungsplanung genutzt.

Mehr zur Organisation der Fortbildungen und v. a. auch zum Thema „Mikro-SchiLfs“ findet sich hier.

Fortbildungsplanung an der Realschule Schöllnach: Die Übersicht zeigt das Zusammenspiel der unterschiedlichen Bereiche. Die Schule integriert Formate wie „working out loud (WOL), ein „Persönliches Lernnetzwerk (PLN)“ und „community of practice (CoP). Mehr dazu findet sich im Dokument „Fortbildungsformate und Mitnahme des Kollegiums“.

Kompetenzerwerb begleiten

Ergänzend zum Input in Fortbildungsangeboten etablierten die Schulen Strukturen für die fortlaufende Unterstützung des Kollegiums, z. B.:

  • Möglichkeit zur Hospitation und zum Team Teaching bei der Einführung einer neuen Methode
  • Bildung von Lehrerteams für eine Klasse oder eine Jahrgangsstufe, bei dem eine medienerfahrene Lehrkraft die Kollegin oder den Kollegen unterstützt
  • Lehrkräfte, die als „niederschwellige“ Ansprechpartner in Pausen oder im Anschluss an den Unterricht zur Verfügung stehen
  • Einrichtung von Fragestunden oder einer „Digital-Sprechstunde“, bei der Lehrkräfte mit hoher digitaler Kompetenz Unterstützung anbieten
  • Etablierung regelmäßiger Formate zum informellen Erfahrungsaustausch, z. B. ein „Digi-Stammtisch“
  • Informationsangebote, z. B. in einem schuleigenen Wiki oder als „Erstübersicht“ zum Einsatz von digitalen Werkzeugen in verschiedenen Fächern