Lernen
mit
Videos

Einführung

Lern- oder Erklärvideos erfreuen sich bei Schülerinnen und Schülern sehr großer Beliebtheit. So zeigt beispielsweise die Studie Jugend/YouTube/Kulturelle Bildung. Horizont 2019 des „Rates für Kulturelle Bildung“, dass YouTube sich zum Leitmedium unter Jugendlichen entwickelt hat und sie sich mehrheitlich eine verstärkte Einbindung von Webvideos in den schulischen Unterricht wünschen.

Sie vermitteln Inhalte auf besonders kompakte und anschauliche Art. Zudem können sie einen wertvollen Beitrag zur Binnendifferenzierung leisten, da Schülerinnen und Schüler in ihrem individuellen Lerntempo mit ihnen arbeiten können.

Erklärvideos in der Schule oder für das Lernen daheim

Im Wesentlichen können zwei große Anwendungsbereiche von Lernvideos unterschieden werden:

  • Schülerinnen und Schüler verwenden vorgefertigte Erklärvideos in ihrem Lernprozess, z. B. als Einstieg in ein Thema oder zur Wiederholung:
    • Auf Videoplattformen, wie z. B. YouTube, lassen sich zu fast jedem Lehrplaninhalt Videos finden, die z. B. im Vorfeld einer Unterrichtseinheit von der Lehrkraft ausgewählt und den Schülerinnen und Schülern empfohlen werden.
    • Die Lehrkraft erstellt ein Video und stellt es den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung.
  • Schülerinnen und Schüler sind Produzenten von Lernvideos:
    • Schülerinnen und Schüler erstellen selbst ein Lernvideo, z. B. als Form der Ergebnissicherung.

Gute Lernvideos bedienen sich häufig der Erzähltechnik des “Storytellings”, das die Kernaussagen des Videos in einen lebensnahen Kontext emotional verankert. Andere Elemente, wie eine einfache Symbolik oder Detail- oder Zeitrafferaufnahmen, helfen den Lernenden, das Wesentliche zu erfassen. Dadurch erreichen sie eine gute Verarbeitung des Inhaltes und ein gutes Verständnis seitens der Schülerinnen und Schüler. Zudem haben sie durch ihre multimediale Präsentationsform einen hohen Motivationscharakter.

Umgang mit Lernvideos

Lernvideos können aus drei Quellen stammen:

  • aus dem Internet
  • werden von der Lehrkraft erstellt
  • werden von den Schülerinnen und Schülern erstellt

Für jeden Typ werden nachfolgend einige Erfahrungswerte hinsichtlich der Vorbereitung und des Einsatzes zusammengestellt.

1. Lernvideos aus dem Internet
Die Auswahl geeigneter Lernvideos aus dem Internet kann für Lehrkräfte zeitaufwändig sein. Es bedarf einer Passung hinsichtlich

  • des gewünschten Lehrplaninhalts,
  • der angemessenen Sprache,
  • der werbe- und ideologiefreien Darbietung,
  • des korrekten Gebrauchs von Fachtermini.

Daher bietet sich ein Austausch guter Angebote innerhalb der Fachschaft bzw. im Kollegium an. Bei entsprechender Passung lassen sich diese Videos auch für die häusliche Vor- und Nachbereitung sowie die Prüfungsvorbereitung verwenden.
Ggf. können auch Schülerinnen und Schüler Videoangebote „kuratieren“, indem sie eine Linkliste von gut geeigneten Videos erstellen. Hilfreich kann dabei ein Kriterienkatalog für „gute“ Lernvideos sein.

2. Lernvideos, die von der Lehrkraft erstellt werden
Die eigene Erstellung von Lernvideos ist zwar aufwändig, ermöglicht jedoch eine passgenaue Einbettung in die Unterrichtsplanung und eine individuelle Ausgestaltung des Videos. Somit lassen sich beispielsweise Inhalte einer Lerneinheit in die häusliche Vor- oder Nachbereitung auslagern.
Diese können auch zur Prüfungsvorbereitung verwendet werden.

3. Lernvideos, die von den Schülerinnen und Schülern erstellt werden
Bei der Produktion von Videos als Lernprodukt vollziehen die Schülerinnen und Schüler einen Perspektivenwechsel in die Rolle des Erklärenden. Der Erstellungsprozess ist hierbei ebenso wichtig, wie das Ergebnis zum Schluss. Es empfiehlt sich daher eine genauere Planung. Bei der Aufbereitung wälzen die Schülerinnen und Schüler die fachlichen Inhalte erneut um, was die Durchdringungstiefe erhöht. Für die Ausgestaltung empfiehlt sich auch eine Orientierung am Kriterienkatalog für „gute“ Lernvideos.
Zudem dient eine enge Betreuung der Schülerinnen und Schüler mit Rückmeldeschleifen der Qualitätssicherung.

Beispiele für Lernvideos

Nachfolgend sind Anregungen für den Einsatz von Lernvideos im Unterricht aufgeführt. Die weiterführenden Links und Dokumente enthalten u. a. konkrete Hinweise zur Durchführung und Erfahrungswerte aus der Erprobung.

Einsatz als Lernimpuls

  • Video als Einstieg in ein neues Thema, z. B. „Der Gemeinderat“ (Grundschule)
    Die Schülerinnen und Schüler erhalten einen Einblick in die Aufgaben und Arbeitsweise des Gemeinderates. Das Video endet mit einem themenbezogenen Dilemma als Arbeitsauftrag.
  • „Wie löse ich Aufgaben in Mathematik?“– Erklärvideo zu den Lösungsschritten einer Mathematikaufgabe (Grundschule)
    Die Lösung einer Mathematikaufgabe wird schrittweise erklärt, so dass Schülerinnen und Schüler sie eigenständig nachvollziehen können.
  • Video-Anleitung (ggf. interaktiv) zum Aufbau und der Durchführung eines Versuchs in den Naturwissenschaften (alle Schularten)
    Die Schülerinnen und Schüler führen die im Video angeleiteten Arbeitsschritte durch, z. B. zur Präparation eines Schweineherzens oder zur Synthese von Eisensulfid.

Produktiver Einsatz

  • Verfilmung eines vorgegebenen Gedichtes als Stop-Motion-Video (Grundschule)
    Die Schülerinnen und Schüler lernen im Unterricht ein Gedicht kennen und setzen den Inhalt in einem Stop-Motion-Video um.
  • Erstellung eines Erklärvideos zu einem komplexen Sachverhalt (Realschule)
    Die Schülerinnen und Schüler fertigen ein Erklärvideo in Legetechnik an, z. B. zum Thema Quellen und Schwinden von Holz. Die Darbietung erfolgt anhand von selbst gefertigten Zeichnungen und ggf. ohne Ton.
  • Unterrichtsprojekt: Erstellung eines Trailers zu einem ausgewählten Roman in Gruppenarbeit (Gymnasium)
    Die Schülerinnen und Schüler lesen und analysieren selbständig in Gruppen einen Roman und erstellen einen Buchtrailer, z. B. als Produktwerbung oder Kaufhilfe.

Praxiserfahrungen

Um die Schülerinnen und Schüler als Produzenten von Lernvideos anzuleiten, ist es hilfreich, im Vorfeld einen gemeinsamen Kriterienkatalog für „gute“ Lernvideos zu erarbeiten oder ihn zur Verfügung zu stellen.
Zur Bewertung von selbst erstellten Lernvideos ist ein Bewertungsbogen hilfreich. Als anschauliches Beispiel hierfür kann der Bewertungsbogen für Lernvideos dienen. Dieser kann auch bei gegenseitigem Peer-Feedback zu erstellten Lernvideos als Orientierungsrahmen dienen.

Als technische Grundausstattung benötigt man

  • ein digitales Endgerät zur Videoaufnahme,
  • einen Tablet-Ständer, um eine ruhige Kameraführung zu gewährleisten,
  • eine entsprechende App zur Erstellung und/oder Nachbearbeitung,
  • ein Mikrofon für eine gute Tonqualität.

Gute Erfahrungen wurden mit den folgenden Apps gemacht:

  • In „Adobe Spark“ können Texte, Bilder und Videodateien einfach zusammengestellt, bearbeitet und als Video präsentiert werden. Die Videos können mit Text und Ton (z. B. Voice-Over) hinterlegt werden. Das Tool bietet zudem eine Datenbank für Bilder und Hintergrundmusik.
  • Mit dem Tool „Powtoon“ (aus „PowerPoint“ und „Cartoon“) können animierte Präsentationen erstellt werden. Es können eigenes Bildmaterial und Ton (z. B. Voice-Over) eingefügt werden, aber auch vorgefertigte Bilder und Musik aus einer Datenbank.
  • „KineMaster“ ist eine App, die umfangreiche, aber dennoch intuitiv bedienbare Werkzeuge für Videobearbeitung und –schnitt bietet. So können beispielsweise Effekte, Filter und Übergänge sowie bis zu drei verschiedene Audiospuren zu einem Video hinzugefügt werden. Das Audio- und Videomaterial kann nachbearbeitet werden, z. B. hinsichtlich Helligkeit, Kontrast, Sättigung oder Lautstärke (auch auf einzelne Szenen anwendbar). In der kostenfreien Version wird das Video mit dem Wasserzeichen des Herstellers versehen.