Eltern

Erziehungspartnerschaft: Rollenvorbilder, Regeln, Reflexion

Erziehungspartnerschaft digital und smart

Digitales Spielzeug bereits im Kinderzimmer. Kinder und Jugendliche als „Smartphone Zombies“, also „Smombies“, die ihren Blick gar nicht mehr vom Smartphone abwenden können. Und dann noch Tablets als permanentes Werkzeug zum Lernen?
Eltern sind verunsichert und machen sich Sorgen, inwieweit Medienkonsum schädlich ist. Medien bzw. der Umgang mit ihnen stellt für die meisten Familien eine Herausforderung dar.
Der Einsatz digitaler Medien für Lernprozesse und die ständige Verfügbarkeit eines digitalen Endgeräts vergrößern diese. Das Aufwachsen in einer digital vernetzten Welt und die Digitalisierung im Bildungsbereich verändern daher den Stellenwert der Medienerziehung. Schule und Elternhaus müssen in der Erziehungspartnerschaft gemeinsam Verantwortung übernehmen, um junge Menschen medienkompetent und digital souverän zu machen. Dann sind Heranwachsende in der Lage, Medien dosiert, kritisch-reflektiert und aktiv zu nutzen.
Gleichzeitig eröffnet die Digitalisierung und ihre Kommunikationsformen neue Möglichkeiten der Kommunikation und Interaktion zwischen Schule und Eltern. Diese gilt es, geschickt zu gestalten und angemessen zu nutzen.

Im Schuljahr 2020/2021 als Verlängerungsjahr wird die Gestaltung der Erziehungspartnerschaft im Kontext der Digitalisierung ein Schwerpunkt der Entwicklungsarbeit sein.

Aspekte der Erziehungspartnerschaft im Kontext der Digitalisierung

Bei der Gestaltung der Erziehungspartnerschaft zwischen Schule und Eltern unter Einbeziehung digitaler Medien sind folgende Bereiche relevant:

  • Herausforderungen und Handlungschancen bei der gemeinsamen Umsetzung von Medienerziehung
  • Identifikation von Vorgehensweisen und Formaten, um möglichst viele Eltern zu erreichen
  • Einsatz digitaler Möglichkeiten für Kommunikation und Kooperation

Herausforderungen bei der Medienerziehungn

Bei der Gestaltung der Medienerziehung ist zu beachten, dass

  • Eltern aus unterschiedlichen Medienwelten kommen,
  • ihr soziokultureller Hintergrund vielfältig sein kann.

Eine Folge sind die unterschiedlichen Vorstellungen, welche Regeln beim Umgang mit digitalen Medien sinnvoll sind.
Um in einen konstruktiven Dialog zu kommen, empfiehlt es sich, bei den Angeboten für die Elternarbeit zu überlegen, inwieweit folgende Elemente notwendig sind:

  • Wahrnehmung: Welche Wahrnehmung haben Eltern z. B. einer Klasse oder einer Jahrgangsstufe hinsichtlich einer bestimmten Mediennutzung? Ist es ggf. notwendig, sie für problematische Aspekte zu sensibilisieren?
  • Wissen: Welche Informationen sind für die Eltern notwendig? Wie kann auf einen heterogenen Kenntnisstand, z. B. durch Vorabfragen, Vorabinformationen oder weiterführende Materialien, reagiert werden?
  • Werte: Inwieweit besteht Gelegenheit für Eltern, sich ehrlich und untereinander auszutauschen? Wie kann es gelingen, ein gemeinsames Vorgehen, z. B. hinsichtlich auch von Regeln für den Umgang mit digitalen Medien im häuslichen Bereich in einer Tabletklasse, zu vereinbaren?

Um Kinder und Jugendliche vor einem unsachgemäßen Umgang mit digitalen Medien zu schützen, ist eine Vielzahl von Unterstützungssystemen entstanden.
Eine Übersicht findet sich im hier.

Formate und Vorgehensweisen, um Eltern zu erreichen

An den Projektschulen ist die Erfahrung gemacht worden, dass, neben den klassischen Formaten wie Infoabende, Elternbriefe und Präsentationen auf der Webseite der Schule, Eltern stärker bereit sind, die medienerzieherischen Angebote der Schule wahrzunehmen, wenn

  • ihr Informationsbedarf im Vorfeld abgefragt wird und die schulischen Angebote sich daran orientieren,
  • Veranstaltungen „von Eltern für Eltern“ angeboten werden,
  • die Perspektive von Schülerinnen und Schülern berücksichtigt wird und sie z. B. bei der Gestaltung der Veranstaltung aktiv beteiligt sind. So können z. B. die Medientutoren der Schule dabei helfen, die „Wahrnehmung“ von Eltern für bestimmte Vorstellungen zu schärfen.

Es hat sich auch gezeigt, dass Medienpädagogen oder andere externe Experten als Referenten notwendig sind, um kompetent und authentisch zu informieren.

Die „Aktion Jugendschutz Landesarbeitsstelle Bayern e. V. bringt mit der Initiative „Elterntalk“ Eltern ins Gespräch.

Kommunikation und Kooperation

Digitale Medien prägen die Beziehung zwischen Schule und Eltern in verschiedenen Bereichen:

  • Mitsprache von Eltern bei der Weiterentwicklung der IT-Ausstattung der Schule, indem z. B. Elternbeirat und Schulforum bei der Einführung von Tabletklassen oder eines digitalen Elternportals einbezogen werden.
  • Einsatz von Portallösungen, die es ermöglichen, möglichst alle Eltern zeitnah und zuverlässig zu informieren und auch regelmäßig Rückmeldungen von ihnen einzuholen; durch diese Portallösungen ist u. a. gesichert, dass die Lehrkräfte für die Eltern digital erreichbar sind.
  • Transparenz beim Einsatz digitaler Medien für Lehr- und Lernprozesse, indem z. B.
    • Schülerinnen und Schüler als „Botschafter“ ihrer Tabletklassen Lernprodukte bei Elternabenden oder Präsentationsnachmittagen vorstellen;
    • Eltern Einblick erhalten in die Abläufe beim Einsatz digitaler Medien und in die „virtuellen“ Klassenzimmer ihrer Kinder, die auf Lernplattformen eingerichtet sind;
    • die Arbeit mit dem Mediencurriculum, dem Medienpass oder dem Medienportfolio der Schule auf dem Elternabend vorgestellt werden.
  • Angebote der Schule zu medienerzieherischen Fragen, z. B. in Form von
    • klassenübergreifenden Medien-Elternabenden,
    • Klassenprojekten, wenn z. B. Schülerinnen und Schüler für ihre Eltern einen Elternabend zu einem Thema wie „soziale Netzwerke“ organisieren,
    • „Eltern für Eltern“-Treffen, bei denen sich Erziehungsberechtigte untereinander austauschen können.

Hinweise zu Portallösungen für die Elternkommunikation und der digitalen Erreichbarkeit von Lehrkräften finden sich hier.

Schülerinnen und Schüler wirken nicht nur als „Botschafter“ für digital gestütztes Lernen, sondern auch als „Medientutoren“. Mehr dazu findet sich hier.